Aktuelles

Leserbrief von Petra Schalk an die AZ

Beiträge in der AZ über überhöhte Schüsseldienstpreise wiederholen sich in regelmäßigen Abständen. Danach ist die Bevölkerung wieder für ein oder zwei Wochen sensibilisiert und kurze Zeit später ist wieder alles vergessen.

Wir betreiben einen seriösen Schlüsseldienst in Augsburg und sind auch immer wieder über die dreisten Methoden unserer "Mitbewerber" schockiert ! Diese Abzocker bringen einen ganzen Berufszweig in Verruf, aber leider müssen auch wir feststellen, dass die schwarzen Schafe immer mehr überhand nehmen. Als wir vor über 15 Jahren den Betrieb erröffneten, gab es in den "Gelben Seiten" vielleicht 10 Schlüsseldienste. Wenn man heute ins Internet oder die "Gelben Seiten" schaut, wimmelt es nur so von Anzeigen. Zum einen sind das überregionale Unternehmen, die nur Pseudo-Telefonnummern an den jeweiligen Orten geschaltet haben, zum anderen sind es Firmen, die sich das schnelle Geld erhoffen. Die Handwerkskammer Augsburg bietet sogar Kurse für Hausmeister und Taxifahrer an, die quasi als Nebenerwerb noch ein bisschen im Schlüsseldienst tätig werden können .....

Für uns als Fachbetrieb, der einen echten 24-Stunden-Notdienst betreibt, ist das natürlich mehr als ärgerlich. Die Zahl der Aufträge ist in den letzten Jahren mehr als rückläufig, da ja leider einige Kunden auf die Abzocker reinfallen.

Bei uns kostet eine Türöffnung innerhalb Augsburg werktags zwischen 8:00 und 18:00 Uhr 49,00 €. Da ist die Anfahrtspauschale dabei und 10 Minuten Arbeitszeit. Selbstverständlich auch inklusive 19% Mehrwertsteuer. Wenn die Türe nicht versperrt. sondern nur zugefallen ist, können wir 98% aller Türen zerstörungsfrei öffnen und dann kommen auch keine weiteren Kosten auf den Kunden zu.

Trotzdem haben wir auch zwischendurch Anfragen, bei denen wir unseren Preis nennen und der Kunde dann sagt: Der Schlüsseldienst XY wäre aber billiger. Es ist schon ein paar Mal passiert, dass genau diese Kunden dann im Nachhinein bei uns angerufen haben und berichtet haben, dass Sie einen horrenden Preis bezahlen mussten, weil die 29 Euro, die der Schlüsseldienst am Telefon genannt hatte, nur die Notdienstpauschale waren und dann noch Anfahrt, KFZ-Pauschale, Maschineneinrichtung, Notdienstzuschlag, Arbeitszeit, Mehrwertsteuer usw dazugekommen sind und darüberhinaus auch noch ein neuer Zylinder eingebaut werden musste, weil der Monteur die Türe nicht zerstörungsfrei öffnen konnte. Ob man denn dagegen nichts machen könne? Das wäre doch Wucher !

Ja, klar ist das Wucher. Aber da sind die Kunden doch selbst schuld ! Das braucht sich doch niemand bieten lassen.

Folgende Tipps vom Profi :

1. Eine gute Nachbarschaft mit deponierten Schlüsseln erspart den Schlüsseldienst !

2. Schlüssel sollte man niemals innen stecken lassen! Bei einem herkömmlichen Zylinder kann nicht gesperrt werden, wenn auf der anderen Seite ein Schlüssel steckt. Es empfielt sich der Einbau eines Zylinders mit Not- und Gefahrenfunktion. Dabei befindet sich im Inneren des Zylinders eine Kupplung, die das beidseitige Sperren ermöglicht. Gerade bei älteren Menschen wäre auch eventuell ein Knaufzylinder geeignet.

3. Suchen Sie sich einen Schlüsseldienst vor Ort bereits dann, wenn Síe ihn NICHT brauchen. Achten Sie darauf, dass es eine Preisübersicht gibt, bei der die einzelnen Zuschläge erläutert werden.  

4. Verschiedene Versicherungsgesellschaften bieten mittlerweile eine Versicherung an, bei der Missgeschicke dieser Art abgesichert werden können.

5. Last but not least  und auch wenn es schlecht für`s Geschäft ist: Legen Sie den Schlüssel immer an die selbe Stelle und versuchen Sie, den Schlüssel IMMER mitzunehmen, wenn Sie Haus oder Wohnung verlassen. Egal ob Sie zur Arbeit oder zum Einkaufen geben oder auch nur die Post reinholen oder den Müll rausbringen ! 

In diesem Sinne .....

Ach, noch was : Den Spruch mit dem Stundenlohn können wir mittlerweile nicht mehr hören. Denkt doch mal drüber nach .... Wenn man während des Berufsverkehrs einmal durch die komplette Augsburger Innenstadt und zurück gurkt, dann ist man oft weit mehr als eine Stunde unterwegs. Im Übrigen ist es ja nicht so, dass sich ein Notdienst an den anderen anschließt. Irgendwo muss ja auch die Bereitschaftzeit umgelegt werden !

Artikel in der Augsburger Allgemeinen

376,26 Euro für einmal Türöffnen

Hohe Rechnung für eine Minute Arbeit war aber kein Wucher. Gericht spricht Monteur frei Von Klaus Utzni

Fast 400 Euro für einmal Türöffnen bei einer Arbeitszeit von einer Minute: Da könnte dem, der zahlen muss, das böse Wort vom Wucher in den Sinn kommen. Ist es aber nicht. Das Amtsgericht hat gestern den Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes vom Vorwurf des Wuchers freigesprochen. Ein Gutachter hatte die Preisgestaltung für ortsüblich und nicht überhöht bezeichnet.

Der Fall liegt fast drei Jahre zurück. Eine heute 27-jährige Frau war Einkaufen gewesen und hatte sich versehentlich ausgesperrt. Die Tür ihrer Wohnung war ins Schloss gefallen. Weil sie dringend an jenem Samstagvormittag zur Arbeit musste, alarmierte sie in ihrer Not per Handy über die Auskunft einen Schlüsselnotdienst. Der Experte fürs Türöffnen rückte an und erklärte, es würde schon ein bisschen teuer werden an einem Samstag . Die Tür war dann auch ruckzuck wieder offen. Er hat mir sogar noch gezeigt, wie man sie mit einer Plastikkarte aufmachen kann , erinnerte sich die Zeugin gestern im Prozess vor Amtsrichter Christoph Dössinger.

Als die Frau dann die Rechnung präsentiert bekam und per EC-Karte sofort via Lesegerät im Auto des Mannes zahlte, bekam sie doch einen Schock: genau 376,26 Euro wurden von ihrem Konto abgebucht. Was den Schlossexperten nicht davon abhielt, die Frau auch noch anzumachen. Wenn du dich an mich herangemacht hättest, hättest du einen günstigeren Preis bekommen , soll er gesagt haben.

Die Staatsanwaltschaft empfand den Rechnungsbetrag zunächst durchaus als Wucher und ermittelte. Das Amtsgericht schickte dem Monteur, 24, einen Strafbefehl über eine Geldstrafe von 1200 Euro ins Haus. In einem ersten Prozess Anfang 2011 wurde sein Einspruch verworfen, weil er trotz Anordnung nicht persönlich im Gericht erschienen war (wir berichteten). Das Urteil hob das Oberlandesgericht allerdings aus Rechtsgründen auf, sodass sich jetzt ein anderer Richter mit dem Fall beschäftigen musste.

Auch in der Neuauflage ließ sich der Monteur durch seinen Anwalt Felix Dimpfl vertreten. Der hatte einen vereidigten Gutachter vom Verband deutscher Schlüsseldienste aus Essen mitgebracht. Und der rechnete vor, dass eine Grundpauschale von 159 Euro, ein Samstagzuschlag von 80 Prozent und 30 Euro für An- und Abfahrt normal seien. Plus Mehrwertsteuer zusammen eben 376,26 Euro. Notdienste hätten eben sehr hohe Fixkosten .

Richter Dössinger sprach den Monteur frei. Der Preis erscheine einem Laien zwar sehr hoch , aufgrund der Aussage des Sachverständigen könne man aber nicht von einem krassen Missverhältnis sprechen, wie es das Gesetz im Fall von Wucher fordere. Es gäbe eben keine gesetzliche Preisbindung für Schlüsseldienste.

Berichterstattung im Lokalradio Radio RT1